Das verzerrte Bild

Die Massenmedien in Deutschland stellen Personen mit Migrationshintergrund auf eine andere Weise dar, als die deutsche Bevölkerung. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild von ethnischen Minderheiten in der Gesellschaft. Die „Ausländer“ werden meist negativ dagestellt. Dies beeinflusst sowohl die Deutschen, als auch die Minderheitsangehörigen. Hier kommt es zu Integrationshemmung und –ablehnung. Die Minderheiten reagieren mit der Bildung gesonderter Ethnomedien, in denen die Deutschen negativ dargestellt werden. Da diese Medien von den Minderheitsangehörigen sehr stark rezipiert werden, kommt es zu einer zusätzlichen Integrationshemmung. Die mediale Bildung von „Parallelgesellschaften“ und „Medienghettos“ steht in diesem Zusammenhang.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, muss eine mediale Integration erfolgen. Die Darstellung ethnischer Minderheiten in den deutschen Massenmedien kann direkt durch Veränderung von Medieninhalten beeinflusst werden. Zum Beispiel sollten Journalisten zu einer positiven Berichterstattung angeregt werden. Aus- und Weiterbildungsmaßnahem könnten ebenso beitragen Negativberichterstattung zu vermeiden. Denkbar wäre auch eine Verstärkung staatlichen Handelns. Hierzu könnte die Nennung einschlägiger Informationen per Gesetz verboten werden. Darüber hinaus gibt es indirekte Wege, um die verzerrte Darstellung zu verändern. Indem man den Zugang von Minderheitsangehörigen zu Medienprodukten stärken würde, könnten sie sich selbst an der Integration beteiligen.

Quelle: Müller, Daniel (2005): „Die Darstellung ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien“. In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S. 83-126.

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Qualitative Studien zur deutschen Presse
  • Studien zum deutschen Fernsehen
  • Mögliche Ursachen der Darstellungsweise ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien

 

Weitere Informationen: Die Verzerrung in der Presse

Den Kern des dargestellten Teufelskeises stellt die Verzerrung dar. Diese wurde von dem Forschungsprojekt anhand bestehender Presseuntersuchungen untersucht. Im Folgenden werden quantitative Ergebnisse vorgestellt.

Über „Ausländergruppen“ wird weniger berichtet als über den deutschen Bevölkerungsteil. Stattdessen wird häufiger über „Ausländer“ in negativer Form berichtet. Dabei spielt der Aspekt der Kriminalität eine wesentliche Rolle. „Ausländer“ werden deutlich häufiger mit Kriminalität in Verbindung gebracht. Gezielt werden Gewalt- und Drogendelikte betont. Deutsche Tatverdächtige werden zudem eher von der Verantwortung für ihr Handeln entlastet. Dadurch erscheint der „Ausländer“ als Ausdruck der Bedrohung. Neben der Kriminalität ist der Kostenfaktor ein weiterer wichtiger Aspekt. „Ausländergruppen“ werden oft im Kontext von (wachsenden) Kosten genannt. Diese Kosten belasten die Deutschen, in dem sie zum Beispiel die Sozialversicherungsbeiträge benötigen. Somit erscheint der „Ausländer“ als eine Belastung.

In der Presse werden „Ausländer“ oft wie Fremdkörper beschrieben. Somit kommt es zu einer Überfremdung, die ein Bild der Andersartigkeit begünstigt. Dieses Anderssein birgt die Gefahr, die deutsche Lebensweise zu beeinträchtigen.

Neben diesen negativen Gesichtspunkten mangelt es an positiver Berichterstattung. Findet jedoch eine solche statt, wird ein „Goodwill“-Charakter hinterlassen. In Goodwill-Artikeln erhalten die Minderheitsangehörigen oft einen Opferstatus, der sie zu behandelten Objekten macht. Hingegen werden sie nicht als aktive Subjekte dargestellt. Beiträge der Migrationsangehörigen zum sozialen Alltag werden selten thematisiert.

Die quantitativen Studien haben zudem gezeigt, dass die verwendete Sprache der Presse oft diskriminierend ist. Bezeichnungen wie „Ausländer“ oder Beschreibungen von „Ghetto“ähnlichen Lebenszuständen lassen gesellschaftliche Fehl-Konstruktionen entstehen. Zudem werden inhaltliche Negativtendenzen verschärft.

Bei diesen Ergebnissen stellt sich die Frage nach dem Maßstab. Wie kann eine zu geringe oder zu negative Berichterstattung über Menschen mit Migrationshintergund beurteilt werden? Wie müsste das genau richtige Verhältnis aussehen? Die Forschung beschäftigt sich mit der Erklärung des Negativbildes. Aber wenn eine Entzerrung des Bildes angestrebt wird, müssen zunächst Erwartungswerte und die Abweichungen geklärt werden.

Quelle: Müller, Daniel (2005): „Die Darstellung ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien“. In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S. 83-126.

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Qualitative Studien zur deutschen Presse
  • Studien zum deutschen Fernsehen
  • Mögliche Ursachen der Darstellungsweise ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien

 

Weitere Informationen: Fehlende Studien

Deutsche Studien erfassen das Gesamtforschungsfeld sehr selektiv. Fiktionale Medieninhalte werden kaum beachtet. Ausnahmestudien betrachten fiktionale Darstellungen gesondert und nicht in Verbindung zu nichtfiktionalen Inhalten. Außerdem werden Werbung und Public Relations ausgeblendet oder in Form von Grenzbereichen separat thematisiert. Hingegen beziehen US-amerikanischen Untersuchungen Unterhaltungsmedien wie Spielfilme und Fernsehserien mit ein. Bereiche wie Werbung und PR werden ebenso systematisch behandelt. Diese ganzheitliche Perspektive ist sinnvoll und notwendig, um die Integration von Medienrezipienten zu gewährleisten.

Das begrenzte Forschungsfeld in Deutschland zeigt deutlich, dass Informationen im Fokus stehen und es an Studien zur Unterhaltung mangelt. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt auf Printmedien. Gründe liegen meist in der Praxis. Informationen lassen sich einfacher als Unterhaltungsstrukturen entschlüsseln. Printmedien sind leichter aufzuarbeiten. Auch zu beachten ist, dass politische Presseinhalte vielleicht als besonders bedeutsam empfunden werden.

Bis heute gibt es nur wenige Studien, die sich mit der TV-Darstellung von Minderheitsangehörigen in Deutschland befassen. Diese Situation wird dem Nutzungsverhalten der Fernsehrezipienten nicht gerecht. Das Fernsehn ist einerseits Leitmedium und andererseits übersteigt es die Nutzungsdauer von Zeitungen. Studien haben gezeigt, dass jüngere und weniger gebildete Rezipienten das Medium Fernsehn nutzen. Dabei werden Soap Operas im Privatfernsehn eher geschaut als Dokumentationen auf Arte. An dieser Stelle ist es notwendig den integrationsfördernden Input sicherzustellen, da der Bedarf größer sein wird als bei Lesern des Spiegels oder der Frankfurter Rundschau.

Quelle: Müller, Daniel (2005): „Die Darstellung ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien“. In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S. 83-126.

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Qualitative Studien zur deutschen Presse
  • Studien zum deutschen Fernsehen
  • Mögliche Ursachen der Darstellungsweise ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien

 

Text: Nadine Taha

 

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