Diskriminierungsverbote

Für die mediale Integration ist es notwendig, dass öffentliche Medien fern ab von Diskriminierung, ethnische Minderheiten darstellen. Ansonsten wird die interkulturelle Integration gefährdet. Vorurteile werden verstärkt und es kommt zu einer ablehnenden Haltung der deutschen Bevölkerung.

Um Diskriminierung zu verhindern, formulierte der Deutsche Presserat die „Publizistischen Grundsätze“. Der Pressekodex bezieht sich auf nichtfiktionale Medieninhalte. Hier ein bekanntes Beispiel: Ziffer 12 „Niemand darf wegen seines Geschlechts oder seiner Zughörigkeit zu einer rassischen, ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.“ Die Richtlinie 12.1 geht genauer auf die Forderung ein: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründeter Sachbezug besteht.“

Das Forschungsprojekt untersuchte die Beschwerdearbeit des Presserats näher. Dabei wurden gezielt die genannten Antidiskriminierungsverbote untersucht. Zwischen 1973 und 2002 kam es zu 278 Beschwerden über Diskriminierung durch Pressejournalismus.

Quelle: Pöttker, Horst (2005): „Diskriminierungsverbote und Beschwerdepraxis des Deutschen Presserats. Eine quantitative und qualitative Analyse.“ In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S.185-221

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Historischer Background der Antidiskriminierungsregeln im deutschen Pressekodex
  • Quantitative Betrachtung von Beschwerdefällen und Antidiskriminierungsregeln

 

Weitere Informationen: quantitative Analyse

Die Verteilung der Diskriminierungsbeschwerden auf Pressetypen zeigt überraschende Ergebnisse. Publikumszeitschriften (11,5%) und Boulevardzeitungen (15,1%) sind relativ gering von Beschwerden betroffen. Hingegen führt die Lokal- und Regionalpresse mit dem Beschwerdeaufkommen (56,5 %). Dieser Pressetyp beachtet den Kodex nicht weniger als die Publikums- oder Boulevardzeitungen. Die Lokal- und Regionalpresse beansprucht den Hauptteil der redaktionellen Einheiten und der Gesamtauflage. Da es mehr davon gibt und gelesen wird, werden hier verstärkt Verstöße gegen den Kodex wahrgenommen. Die meisten Beschwerden richteten sich gegen die Nennung von Straftätern oder -verdächtigen mit diskiminierenden Merkmalen. Vor allem die Regional- und Lokalpresse konkretisiert die Kiminalitätsberichte. Hier werden viele freie Mitarbeiter beschäftigt. Ihnen mangelt es an Erfahrung und Ausbildung. Deswegen kennen sie die „Publizistischen Grundsätze“ oft nicht.

In den vergangenen Jahren nahmen die Beschwerden kontinuierlich zu. Aufgrund quantitativer Auswertungen ist es schwer Gründe zu nennen. Vorstellbar ist, dass der Anteil der diskriminierenden Presseveröffenlichung zugenommen hat. Plausibler erscheint aber eine steigende Sensibilität in der Gesellschaft gegen Rassismus. Anfang der 1990er kam es zu massiver Gewalt gegen Asylbewerber. Dadurch wurde Ausländerfeindlichkeit in Deutschland intensiv in der Öffentlichkeit behandelt. Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar. Die subjektive Sensibilität hat sich seitdem in der Gesellschaft verändert. Daher hat die objektive Diskriminierung (steigende diskriminierende Presseberichte) nicht zugenommen.

Quelle: Pöttker, Horst (2005): „Diskriminierungsverbote und Beschwerdepraxis des Deutschen Presserats. Eine quantitative und qualitative Analyse.“ In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S.185-221

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Historischer Background der Antidiskriminierungsregeln im deutschen Pressekodex
  • Quantitative Betrachtung von Beschwerdefällen und Antidiskriminierungsregeln

 

Weitere Informationen: qualitative Ergebnisse und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (zentralrat.sintiundroma.de) setzt sich seit 1987 sehr aktiv gegen die Diskriminierung ihrer ethischen Minderheit ein. Dieses politische Engagement machte 54% aller Beschwerden beim Presserat aus. Meistens ist der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma selbst Beschwerdeführer. Oft decken sie diskriminierende Elemente in der Presse auf, indem sie sich auf Richtline 12.1 beziehen. Da aber die Beschwerden in den Jahren unterschiedlich aktiv waren, lässt sich kein zuverlässiger Trend ableiten. Die verbleibenden 128 Fälle gingen überwiegend auf die Diskriminierung von ethnischen Minderheiten ein. Nur ein Drittel richtete sich gegen die Verunglimpfung von körperlich, geistigen oder sozial Benachteiligten sowie Frauen und Homosexuellen.

Gesamt betrachtet zeigt die Beschwerdearbeit des Presserates, dass kulturelle Fremdheit im Mittelpunkt steht. Die gesellschaftlichen und journalistischen Reaktionen deuten massiv auf Integrationsprobleme ethnischer Minderheiten hin.

Quelle: Pöttker, Horst (2005): „Diskriminierungsverbote und Beschwerdepraxis des Deutschen Presserats. Eine quantitative und qualitative Analyse.“ In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S.185-221

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Historischer Background der Antidiskriminierungsregeln im deutschen Pressekodex
  • Qualitative Betrachtung von Beschwerdefällen und Antidiskriminierungsregeln

 

Text: Nadine Taha