Medienwirkung: Konstrukt und Wirklichkeit

Das Verhältnis zwischen Medien und Realität hat die Medienwissenschaft schon in ihren Anfängen beschäftigt. Heute zeigt die Forschungsliteratur, dass Massenmedien die Wirklichkeit nicht angemessen wiedergeben. Medienberichte sind meist ungenau oder auch durch einen ideologischen Charakter geprägt. Dem Mediennutzer werden stereotype Vorstellungen vermittelt. Zwänge der Nachrichtenproduktion oder einfach Vorurteile der Journalisten fließen in die mediale Darstellung ein. Daher erlauben diese medialen Wirklichkeits-Konstruktionen keinen Vergleich mit tatsächlichen Gesellschaftsstrukturen. Es ist nicht möglich medial dargestellte Ereignisse mit einer „objektiven Wirklichkeit“ gleichzusetzen.

Inhaltsanalysen verdeutlichen, dass deutsche Medien ethnische Minderheiten mit diskriminierenden und ausgrenzenden Elementen darstellen. Deutsche erhalten nur wenige Informationen über Minderheitsangehörige. Zudem ist der geringe Input sehr einseitig und selektiv. Besonders die Printmedien vermitteln ein negatives Zerrbild. So entsteht das Stereotyp des „kriminellen Ausländers“.

Weitere Informationen: Vorurteile

Die ständige Wiederholung von Vorurteilen bewirkt die Ausgrenzung von Personengruppen. Somit werden Vorurteile zu Urteilen. Zur Ausgrenzung kommt es durch wiederkehrende negative Darstellungen. Personengruppen werden zu „Outgroups“, die eine Bedrohung ausstrahlen. Handlungen gegen sie erscheinen gerechtfertigt. Menschen die nicht zur „Ingroup“ gehören werden demnach delegimitiert.

In den deutschen Medien werden „Ausländer“ häufig mit „Kriminalität“ oder „islamischen Terrorismus“ in Zusammenhang gebracht. Sozialpsychologische Konzepte gehen auf diese Art der Delegimitierung und Schuldzuschreibung ein. Treten Migranten ständig mit gesellschaftlich nicht akzeptierten Handlungen in den Medien auf, entstehen Vorurteile bei den Rezipienten. Diese sind von Gefühlen der Bedrohung begleitet. Zum einen werden Migranten delegitimiert und zum anderen wird die Integration gehemmt. Die deutsche Gesellschaft, d. h. die „Ingroup“, empfindet es als gerechtfertigt, Maßnahmen gegen die „Ausländer“ zu ergreifen.

Zwar sind dargestellte Ereignisse, wie der „islamische Terrorismus“, von den Medien nicht inszeniert, aber für die deutsche Bevölkerung existiert ausschließlich das, worüber die Medien berichten. Das thematische Vorgehen der Medien stärkt durch die Wiederholung die geprägten Verbindungen. Allerdings können Medien nicht ausdrücklich die Meinung der Rezipienten bilden. Es gelingt den Medieninhalten jedoch alltägliche Inhalte, wie den Gesprächstoff, zu beeinflussen und zu strukturieren.

Quelle: Weber-Menges, Sonja (2005): „Die Wirkungen der Präsentation ethnischer Minderheiten in deutschen Medien“. In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S.127-184

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Empirischer Forschungsstand zum Einfluss der „Ausländerberichterstattung“ in deutschen Medien
  • Medienwirkungsforschung und die mediale Präsentation Minderheitsangehöriger

 

Weitere Informationen: Kollektivsymbole

Ein wichtiges Wirkungsinstrument der Medienproduzenten sind Kollektivsymbole, da sie für jedes Gesellschaftsmitglied einfach verständlich sind. Besonders in der Einwanderungsdebatte kommt diese Technik zum Einsatz. Beispiele wie „Asylantenflut“ oder „volles Boot“ strukturieren die öffentliche Kommunikation über Zuwanderung. Neuere Symbole wie „Kopftuchstreit“ oder „Schläfer“ beeinflussen den Zuwanderungsdiskurs ebenfalls. Durch ihre bildliche Logik werden bei Rezipienten Assoziationen geweckt. Die genannten Beispiele stehen für die Symbolik des Innen und Außen. Wiederkehrende Kollektivsymbole festigen diese Wahrnehmung beim Rezipienten. Der Migrant wird als Bedrohung wahrgenommen.

Quelle: Weber-Menges, Sonja (2005): „Die Wirkungen der Präsentation ethnischer Minderheiten in deutschen Medien“. In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S.127-184

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Empirischer Forschungsstand zum Einfluss der „Ausländerberichterstattung“ in deutschen Medien
  • Medienwirkungsforschung und die mediale Präsentation Minderheitsangehöriger

 

Weitere Informationen: Stereotype

Die stereotype Präsentation ethnischer Minderheiten in den Medien fördert bestehende Vorurteile. Zugleich wird das „Ingroup-Outgroup“ Denken der Rezipienten unterstützt. Indem Medien Stereotype verwenden erhält der „Fremde“ Konturen und es entsteht ein Zusammenhang zu dem „Bösen“. Die Kluft zwischen „dem Wir und den Anderen“ vergrößert sich. Wenn man nicht viel von dem Fremden kennt, versucht man sein Wissen aus Gerüchten zu ziehen. Da diese meist negativ geprägt sind, werden die Eigenschaften des „Bösen“ auf „Ausländer“ projiziert.

Quelle: Weber-Menges, Sonja (2005): „Die Wirkungen der Präsentation ethnischer Minderheiten in deutschen Medien“. In: Rainer Geißler/ Horst Pöttker (Hrsg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Bielefeld: Transcript. S.127-184

Weiterführende Informationen des Aufsatzes:

  • Empirischer Forschungsstand zum Einfluß der „Ausländerberichterstattung“ in deutschen Medien
  • Medienwirkungsforschung und die mediale Präsentation Minderheitsangehöriger

 

Text: Nadine Taha