Nationalsozialismus

nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland aufgekommene völkisch-antisemitisch-national-revolutionĂ€re Bewegung, die sich 1920 als sog. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) organisierte und unter der FĂŒhrung von Adolf Hitler in Deutschland eine Diktatur errichtete (1933-1945).

Ihre Entstehung grĂŒndet sich auf die Ablehnung des nach 1918 in Deutschland entstandenen demokratischen Staates, der Weimarer Republik, sowie des geistigen FĂŒhrungsanspruchs der Kirche und des Kommunismus. Zu ihren Grundlagen zĂ€hlten ferner der völkische Rassismus und Antisemitismus sowie die Forderung nach einer Revision der infolge des verlorenen Ersten Weltkriegs erlittenen Sanktionen (propagandistisch als „Schmach von Versailles“ oder „Versailler Schanddiktat“ bezeichnet). Die nationalsozialistische Weltanschauung lieferte die ideologische BegrĂŒndung fĂŒr den ab 1939 in Europa gefĂŒhrten deutschen Eroberungskrieg (Zweiter Weltkrieg) und die Verbrechen des Holocaust und der Vernichtungslager.

 

Begriff

„Nationalsozialismus“ war eine selbstgewĂ€hlte, propagandistisch motivierte Bezeichnung, die spĂ€ter in der Bundesrepublik ĂŒbernommen wurde; in der DDR wurde stattdessen (wie im Russischen) die Bezeichnung „Faschismus“ (speziell „Hitlerfaschismus“) verwendet. Die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ rĂŒhrt daher, dass in dem 1920 erschienen Programm der NSDAP tatsĂ€chlich eine teilweise sozialistische Gesellschaftsordnung gefordert wurde. Die Partei der deutschen Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. In Deutschland wird hĂ€ufig der negativ konnotierte Begriff Nazi fĂŒr einen AnhĂ€nger des Nationalsozialismus verwendet.

 

Merkmale

In der Ideologie des Nationalsozialismus flossen geistige und soziale Strömungen zusammen, die, z.T. gemeineuropĂ€isch, z.T. in Sonderentwicklung begrĂŒndet, bereits wĂ€hrend des Übergangs zur modernen industriellen Massengesellschaft im dt. Kaiserreich und in der Donaumonarchie verbreitet waren: aggressiver Nationalsozialismus, der eine Weltmachtstellung fĂŒr ein Mitteleuropa beherrschendes Deutschland forderte; Bestrebungen, die Nation durch innere soziale Versöhnung des deutschen Volkes ĂŒber die KlassengegensĂ€tze hinweg unter Ablehnung des internationalen ‚marxistischen‘ Sozialismus zur Machtpolitik nach außen zu befĂ€higen; auf fragwĂŒrdigen Volkstums- und Rassentheorien grĂŒndende antisemitische Feindbilder, die bei sozial verunsicherten kleinbĂŒrgerlichen und bĂ€uerlichen Bevölkerungsgruppen politischen RĂŒckhalt fanden.   

Hauptmerkmale:

*  Rassismus, insbesondere Antisemitismus, der im Holocaust kulminierte, sowie Verherrlichung der „arischen und germanischen Rasse“; (vgl. Rassentheorie und Ariosophie)

* Euthanasie und Eugenik bzw. „Rassenhygiene” sowie der Glaube an die Möglichkeit einer „HöherzĂŒchtung” einer Herrenrasse,

* Verwandtschaft zum Faschismus, die sich unter anderem in den Propaganda-Inszenierungen zeigte,

* Antimarxismus, Antikommunismus, Antibolschewismus und Antikapitalismus,

* Totalitarismus – Ablehnung von Demokratie; Zerschlagung politischer Parteien, Gewerkschaften und freier Presse,

* weitreichende Vollmachten fĂŒr Geheimdienste und Spitzel; siehe auch Gestapo und Denunziantentum

* FĂŒhrerprinzip – Konzentration aller AutoritĂ€t in einer zentralen FĂŒhrungspersönlichkeit sowie Projektion dieses Prinzips auf die restlichen Hierarchie-Stufen

* Militarismus

* Ideologie der Volksgemeinschaft, in der es keine KlassengegensÀtze mehr geben sollte

* Lebensraumpolitik, „Lebensraum im Osten“, Verteidigung von „Blut und Boden”

* Berufung auf Preußische Tugenden bzw. die Philosophie des Deutschen Idealismus

 

Quelle:

1) Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945, herausgegeben und kommentiert von Walther Hofer, Fischer Taschenbuch Verlag, Reihe BĂŒcher des Wissens, Erstausgabe 1957

2) Duden, Das Neue Lexikon, 1996 Bd. 6 Lav-Neus

3) Franz Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., 1984

4) Michael Ruck, Bibliographie zum Nationalsozialismus, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000

5) Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler, Kindler Verlag, 1978,

6) Stephan Marks: Warum folgten sie Hitler? Patmos-Verl. 2007

7) Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches, http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=telespiele&l=ur2&o=1Beck Verlag 2000
8)
http://www.nationalsozialismus.de/lexikon/nationalsozialismus