Stereotypen

[griechisch] das, Sozialwissenschaft: vereinfachende, verallgemeinernde, schematische Reduzierung einer Erfahrung, Meinung oder Vorstellung auf ein (meist verfestigtes, oft ungerechtfertigtes und gefühlsmäßig beladenes) Vorurteil über sich selbst (Auto-Stereotyp) oder über andere (Hetero-Stereotyp).

Der Begriff Stereotyp benennt in seiner ursprünglichen Wortbedeutung ein unveränderliches Produkt eines technischen Prägungsprozesses und wurde vorrangig im Bereich des Buch- und Zeitungsdrucks verwendet. Erstmals in die Geistes- und Sozialwissenschaften eingeführt wurde er 1922 von Walter Lippmann. In seinem in den USA erschienen Buch ,,Public Opinion" beschreibt er den Einfluss kognitiver Reduktionen auf die Wirklichkeitswahrnehmung des Menschen und bezeichnet diese als Stereotypen. Bausinger beschreibt den Begriff Stereotyp wie folgt: „...[...]Stereotype sind unkritische Verallgemeinerungen, die gegen Überprüfung abgeschottet, gegen Veränderungen relativ resistent sind. Stereotyp ist der wissenschaftliche Begriff für eine unwissenschaftliche Einstellung.“ Eine Konjunktur erhielt das Stereotyp in der in den Achtzigern beginnenden Diskussion um political correctness. Hauptsächlich wurde die wachsende Fremdenfeindlichkeit in den Industriestaaten und der allgemeine Umgang mit Minderheiten über die Begriffe ,,Vorurteil" und ,,Stereotyp" diskutiert. Auch hier waren gesellschaftlich politische Motive ausschlaggebend. Ausgehend von den Problemen, die sich aus der Zusammenführung beider deutschen Gesellschaften ergeben haben, wird seit Mitte der Neunziger über Stereotypen in nationalen Selbst- und Fremdbildern gearbeitet. Ziel ist es durch Informationen über andere Gesellschaften Stereotypen aufzulösen.

Walter Lippmann (1922): Public Opinion, dt., hrsg. von Elisabeth Noelle-Neumann (1990): Die öffentliche Meinung, Bochum: Brockmeyer 1990.

 

Quellen:

1) http://lexikon.meyers.de/meyers/Stereotyp

2) Bausinger, Hermann (1998): Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache Band 14, Tübingen: Iudicum-Verlag, S. 160.